
Art.Nr.: SZN648
Der neue Kaiser! Gramsci, Metapolitik und Neue Rechte.
»Die Neue Rechte hat Antonio Gramsci in den letzten Jahren besser verstanden als wir.« So brachte Ines Schwerdtner, Bundesvorsitzende der Linkspartei, einen Selbstanspruch jenes jungeuropäischen Aufbruches auf den Punkt, der über Affektpolitik, Populismus und bürgerliche Illusionen hinausweist. Für diesen Aufbruch steht auch Benedikt Kaiser.
Kaiser erläutert die wichtigsten gramscianischen Begriffe – darunter »Hegemonie«, »Alltagsverstand«, »organischer Intellektueller« und »historischer Block« – anhand zeitgenössischer Beispiele, räumt mit verbreiteten Missverständnissen auf und weist der Metapolitik ihren Platz vor und neben der Parteipolitik zu. Fast beiläufig werden im Verlauf der Analyse politische Dauerbrenner wie die Fragen nach dem wahren Charakter der »Neuen Rechten«, dem Wert von Populismus gegenüber Elitentheorien und dem Verhältnis zwischen Krise, Revolution und Evolution klargestellt.
Der Hegemonie entgegen ist das Handbuch für alle Akteure in Real- und Metapolitik, die den nächsten Schritt gehen wollen, nein: müssen.
Benedikt Kaiser - Der Hegemonie entgegen. Gramsci, Metapolitik und Neue Rechte. Jungeuropa-Verlag, Dresden 2025, 276 Seiten, Klappenbroschur, 24,00 €.
Gramscismus von Rechts: Buchbesprechung aus Nationaler Sozialismus Heute #52
Benedikt Kaiser ist gegenwärtig einer der schlauesten und klarsichtigsten Denker im Bereich der politischen Rechten. Sein 2020 erschienenes Grundlagenwerk Solidarischer Patriotismus – Die soziale Frage von rechts rezensierten wir bereits in N.S. Heute #25. Im Spätjahr 2025 legte der neurechte Publizist und Mitarbeiter eines AfD-Bundestagsabgeordneten mit „Der Hegemonie entgegen“ nach. Die Titelwahl erklärt Kaiser so: Man stelle sich zum einen gegen die noch bestehende linke Hegemonie, zum anderen schreite man aber auch der eigenen rechten Hegemonie entgegen. Die Vorherrschaft des linksliberalen Lagers bekommt im kollektiven Westen tiefe Risse, sowohl elektoral als auch kulturell, weshalb es nun dringend an der Zeit ist, eigene Hegemonialpotentiale zu entwickeln, so der Autor in der Vorbemerkung des Buches, das wie sein Vorgänger Die Konvergenz der Krisen (2023) im Dresdener Jungeuropa-Verlag erschien.
Die Kritik an dem von Kaiser so wahrgenommenen Fehlen von Ideen und Ideologien im rechten Lager, die integrierend und staatsgestaltend aktiv werden könnten, wird im Buch immer wieder zum Thema gemacht. Und in der Tat ist es ja so, dass sich die Rechte oftmals darauf beschränkt, „antigrün“ oder „antilinks“ zu sein, da es natürlich viel einfacher und bequemer ist, den politischen Gegner zu kritisieren, als eigene positive Ideen und Lösungsansätze zu entwickeln (dass Kaiser so etwas kann, hat er ja bereits in „Solidarischer Patriotismus“ bewiesen). Dementsprechend richtet sich seine Kritik gegen die „Verprellten als Selbstvermarkter“ (Ruhs, Maaßen und andere), wohingegen der „organische Intellektuelle“ von einem idealistisch-weltanschaulichen Leitmotiv mobilisiert wird.
Aus dem Mangel an Konzepten und Ideen heraushelfen kann und wird der revolutionäre Denker Antonio Gramsci (1891-1937), davon ist Kaiser fest überzeugt, weshalb er dem undogmatischen italienischen Kommunisten ein Großteil seines Buches widmet. Gramsci, der ab 1926 unter den Faschisten in politischer Haft saß, systematisierte seine Gedanken in 32 „Gefängnisheften“, die sich dem Kampf um kulturelle Hegemonie und der Verschränkung von außerparlamentarischer und Parteiarbeit widmen – für Gramsci war dies natürlich die italienische kommunistische Partei, doch seine grundlegenden Gedanken können heute genauso gut auf das politische System der Gegenwart angewandt werden.
Wahre Hegemonie äußert sich im Alltag, nicht am Wahltag, so lautet ein wichtiger strategischer Grundsatz, und der richtige Ort für den Kampf um die ideologische Vorherrschaft ist nicht das Parlament, sondern die „Zivilgesellschaft“. Die „Metapolitik“ als jener Bereich, der der „Realpolitik“ vorausgeht wiederum berührt sämtliche vorpolitischen Bereiche: Schulen, Ausbildungseinrichtungen, Lehrpläne, kulturelle Werke, Stammtische, Museen, Fußballplätze usw. Der Autor widmet der Fußball-Fanszene als Beispiel für die erfolgreiche Eroberung der Alltagshegemonie von „links“ einen längeren Abschnitt und verweist dabei auch auf das Buch „Kampf um Dortmund“ von Michael Brück, das 2024 im Sturmzeichen-Verlag erschienen ist. Kaisers ausführliche Darlegung des „Gramscismus“ in Theorie und Praxis hat zwar grundsätzlichen Charakter, doch da, wo es konkret wird, geht es zumeist darum, wie das „politische Vorfeld“ die AfD erfolgreicher machen kann – oder umgekehrt. Das darf einem Mitarbeiter eines AfD-Abgeordneten durchaus zugestanden werden, doch es bleibt die Frage des weiteren Vorgehens ab dem Zeitpunkt, wo das Regime einen Wahlerfolg der AfD faktisch unmöglich macht: Sei es durch ein komplettes Parteiverbot, ein Verbot „durch die Hintertür“ (durch Geldentzug, Wahlausschlüsse usw.) oder weil das deutsche Volk durch Masseneinbürgerungen und „ethnische Wahl“ politisch kaltgestellt wird. Selbst die besten Ideen für einen „demokratischen Machtwechsel“ müssen zwangsläufig an der Realität scheitern, wenn die Herrschenden die Grundlagen für eine solche Machtübergabe entziehen. Dann heißt es Umdenken und Konzepte jenseits parlamentarischer Lösungen entwickeln.
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