Mit dem „Kreuzzug gegen den Gral“ schuf der Autor 1933 nicht nur eine Hommage an das Languedoc, sondern zugleich auch eine tiefsinnige Abhandlung über den Gral in der Wahrnehmung der mittelalterlichen Autoren, allen voran Wolframs von Eschenbach.
„Kaum dürfte“, so formulierte es Otto Henschele für den ersten Nachdruck aus dem Jahr 1964, „ein so kühner und geistig mutiger Vorstoß in das Reich des Grals unternommen worden sein, wie in diesem Buch“. Rahn war es gelungen, durch Einsicht in die Arbeiten örtlicher Katharer-Forscher, ergänzt durch eigene Untersuchungen, neue Einsichten und Erkenntnisse über Katharer und die Gralsverehrung zu gewinnen, die zum Teil noch heute Bestand haben.
Im Languedoc erblühte mit der Glaubensgemeinschaft der Katharer nicht nur Dichtung und Minne, sondern auch die Bewahrung des europäischen Gralsmythos, der sich über die Indoarier, die Perser und die ebenfalls im Languedoc ansässigen Kelten zurückverfolgen lässt. Die katholische Kirche reagierte mit Hass und blindem Eifer auf die Glaubenskonkurrenz und führte blutige Kreuzzüge gegen die Katharer, die schließlich abschwören mussten oder auf Scheiterhaufen verbrannten. Und doch überdauerte das Katharer-Erbe im europäischen Bewusstsein, aus dem Otto Rahn es in zeitlose Poesie wandelte.
Otto Rahn - Kreuzzug gegen den Gral. Wirken und Schicksal der Katharer. Forsite-Verlag, Bottrop 2026 (Nachdruck der Ausgabe von 1933 in moderner Schrift), 320 Seiten, zahlreiche Bilder, Broschur, 16,80 €.
Diesen Artikel haben wir am 29.04.2026 in unseren Katalog aufgenommen.