Pavolini, Alessandro - Die Lichter des Dorfes. Erzählungen

Pavolini, Alessandro - Die Lichter des Dorfes. Erzählungen
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Die Lichter des Dorfes - das ist ausnahmsweise kein Roman. Womit haben wir es zu tun? Alessandro Pavolini war im faschistischen Italien Minister für Volkskultur und nach der Errichtung der Republik von Salo Generalsekretär der Partei. Er wurde Ende April 1945 gemeinsam mit Mussolini von Partisanen standrechtlich abgeurteilt, erschossen und neben Mussolini kopfüber ans Dach einer Tankstelle in Mailand gehängt - das Foto ist ikonisch.

Was sind das für Erzählungen, die Pavolini schrieb und die 1940 in einer einzigen Auflage in Deutschland erschienen? Die meisten sind nicht gleich als literarische Berichte aus der frühesten Zeit der faschistischen Bewegung zu erkennen. Sie schildern abgelebte Konventionen, kommunistischen Gewerkschaftsfilz, futuristische Charaktere und ein Leben, das unbefreit und stockend abläuft, aber den frischen Wind schon ahnt. Sport, Schnelligkeit, Gelächter, Mut, Jugend, Tod, Gefahr, Einsatz, Kampf, Neubau – das sind die Vokabeln Pavolinis.

Alessandro Pavolini - Die Lichter des Dorfes. Erzählungen. Antaios-Verlag, Schnellroda, Neuauflage 2025, 152 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 22,00 €.

Leben im italienischen Faschismus - Buchbesprechung aus N.S. Heute #49

Das vorliegende Werk Alessandro Pavolinis „Die Lichter des Dorfes“ erschien erstmals 1940 auf Deutsch und wurde nun als Neuauflage im Antaios-Verlag veröffentlicht. Dieses recht dünne Buch umfasst auf knapp 140 Seiten plus Nachwort insgesamt 16 Erzählungen. Das gebundene Exemplar enthält zusätzlich einen Schutzumschlag samt Klappentext sowie innenliegend ein Lesebändchen.

Pavolinis Lebenslauf ist aufgrund seiner Kürze ebenso schnell zusammengefasst: Zunächst war er als Schwarzhemd und Gefolgsmann Mussolinis bereits 1923 beim Marsch auf Rom beteiligt, von 1939 bis 1943 war er Minister für Volkskultur und betätigte sich darüber hinaus als Schriftsteller. Nach dem vorläufigen Sturz Mussolinis, seiner Wiedereinsetzung als Staatsoberhaupt und der daraus folgenden Errichtung des Staates von Salò (Italienische Sozialrepublik) war er zuletzt bis 1945 Generalsekretär der Republikanisch-Faschistischen Partei. Partisanen griffen ihn zusammen mit Mussolini und dessen Geliebten auf, erschossen diese einen Tag später und hängten ihre Körper zur Schau an einer Mailänder Tankstelle auf.

Die in diesem Bändchen zusammengefassten Erzählungen scheinen auf den ersten Blick nur lose Bezüge zum Faschismus der damaligen Zeit zu haben, etwa wenn verschiedene Viertel, Orte und Städte beschrieben werden, samt ihres dort vorherrschenden kommunistischen Habitus. So finden sich die faschistischen Charaktere dort zunächst oft fremd und in Unterzahl wieder. Gekonnt werden allerdings auch Kindheitserinnerungen mit späteren Kriegshandlungen verknüpft. Beispielhaft wird das häufige Baumklettern in einer Allee aus den Kindheitstagen zu späteren Marineflotten und Seemanövern fantasiert. Scheinbar ohne Bezüge zum Gesamtzusammenhang fügen sich Sporterzählungen an: Sport als alltäglicher Kampf, der auf das Leben vorbereitet, wenn er nicht gar das Symbol für das Leben selbst ist.

Zumeist sind die Charaktere in einer rasenden und rastlos aufstrebenden Jugend begriffen, deren Zeit endlich ist, zuweilen auch im tatsächlichen Tod endet, und in einen Neubeginn übergeht. Liebeleien, Machtkämpfe und zwischenmenschliche Zwiste finden ebenso als Themen in diesem Erzählband Platz.

Inwiefern sich dieses Werk Pavolinis, das 1940 in einer einzigen Auflage in Deutschland erschien, damals einer großen Beliebtheit erfreute, ist mir nicht bekannt, doch wahrscheinlich wird es aufgrund seiner hohen Authentizität einen erheblichen Anklang gefunden haben, da sich in den Erzählungen eigentlich jeder Italiener wiedergefunden haben dürfte. Nicht zuletzt aufgrund der Kriegsereignisse und der damit einhergehenden Verschmelzung der unterschiedlichen Gesellschaftsklassen wird ebenso ein breiteres Publikum im Volk angesprochen.

Pavolini versteht es meisterhaft, präzise und möglichst kurz Situationen und Personen zu skizzieren beziehungsweise Wesenszüge zu schildern. Dann und wann schlägt die an sich seichte Erzählung auch schon mal in psychologische oder ideologische Ableitungen um – eben dann, wenn alte Wege enden und ein neuer Anfang unweigerlich beschritten werden muss.

Definitiv sind diese Erzählungen als künstlerisches Zeugnis ihrer Zeit zu sehen. Es ist eine nette kleine Lektüre und Zeitreise, die rasch an anderthalb Abenden durchgelesen werden kann. Das Büchlein ist sicherlich keine Pflichtlektüre, man nimmt auch nicht Unmengen an persönlichen Erkenntnissen mit, doch das muss in einem Erzählbändchen ja auch gar nicht sein und wird auch nicht die Intention Pavolinis dargestellt haben, sondern es ist eben die zeitgenössische Darstellung des Lebens in der damaligen Zeit – so ist diese Lektüre jedenfalls eine kleine Freude für nebenbei.

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