Zierke, Volker - Herrengedeck

Zierke, Volker - Herrengedeck
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Produktbeschreibung

Auf all den Parlamentsfluren, Konferenzen und Aktionen, inmitten all des Megafongebrülls und der Parteitagsrhetorik – irgendwo dort ist etwas verloren gegangen. Vielleicht alles.

Das Dresdener Herrengedeck bestellt sich einer, der einmal an die Veränderung und seine Rolle darin geglaubt hat. Die Welt ist heute tatsächlich aus den Fugen, aber nicht schnell, laut und großartig, sondern leise, zäh, klebrig – wie der schwarze Schleim, der ihm den Atem nimmt. Nacht für Nacht. Da gibt es eine Frau, einen Ankerplatz vielleicht – doch wo die Fäulnis einmal Einzug gehalten hat, lässt sie sich nicht einfach weglächeln, im Großen wie im Kleinen.

Volker Zierke webt weiter an seinem zwielichtigen Kosmos der Illusionen und ihrer Überwindung: introspektiv, gallig, unerbittlich ehrlich. Herrengedeck ist kein Hohelied des »Machbaren« – sondern ein kalter Blick in und auf das nichtige Leben im falschen. Ein Roman über die große Suche im kleinen Rahmen einer ganz besonderen Stadt, über das Verharren und Weitermachen in einer Welt, die grenzenlos, formlos und sinnlos geworden zu sein scheint.

Ein politischer Roman ganz außerhalb der »hohen« Politik, der gerade deshalb trifft. Und manch einem so gar nicht schmecken wird.

Volker Zierke - Herrengedeck. Jungeuropa-Verlag, Dresden 2025, 272 Seiten, Leinen, mit Lesebändchen, 25,00 €.


Céline reloaded - Buchbesprechung aus N.S. Heute #50

Der typische rechte Roman unterscheidet sich im Grunde nicht sehr von einem Märchen: Der Held, perfekt und ideal, bezwingt den grundsätzlich bösen Feind, und am Ende gehen alle glücklich nach Hause. „Aber, aber!“, wird man nun einwenden, „ist die Realität mit Masseneinwanderung, steigender Degeneration und sinkendem Wohlstand nicht schon schlimm genug? Warum auch noch vom Schlechten lesen?“ Das stimmt, zur Wahrheit gehört aber auch, dass die jahrzehntealten Durchhalteparolen, das ewige Hinterherlaufen hinter neuen Karrieristen und Geisteskranken, und die kindische Freude über den x-ten Bannerdrop irgendwann nicht mehr verfangen, die Lücke zwischen Ideal und Realität zu weit auseinanderklafft und dieses Ideal Gefahr läuft, nicht mehr Vorbild, sondern nurmehr Märchen und realitätsfern zu sein.

Die Protagonisten der einschlägigen Romane sind von der Lebensrealität des 21. Jahrhunderts weit entfernt; man mag Parallelen ziehen und Gültiges finden, aber die (rechte) Jugend identifiziert sich nicht umsonst mit Wracks wie Patrick Bateman oder Homelander, weil deren Komplexe, Probleme und Widersprüchlichkeiten greifbarer sind als die Propaganda-Romanhelden aus „Freikorps“ und „Weltkrieg“. Eine ähnliche Identifikationsfigur, bewusst nicht Vorbild, ist auch der Protagonist aus „Herrengedeck“.

Die jungen Wilden und Hundertprozentigen werden sich von ihm (zurecht) abgestoßen fühlen, doch so manch anderer findet sich in ihm wieder: Der Ekel vor den Unzulänglichkeiten der Masse, dem Schwätzertum der Parlamentarier, dem ziel- und wirkungslosen Aktivismus und der Nekrophilie der Rechten, die sich an Untergegangenes und Verendendes klammert. Der schwarze Schleim, den der Protagonist beständig ausspeit, ist das Sinnbild des Drecks, in dem die Rechte klebt.

Der Roman behandelt zwar die Unzulänglichkeiten im Milieu von AfD und IB, doch Nationalisten brauchen es sich nicht in selbstgefälligem Spott bequem machen, betrifft sie die aktivistische Sackgasse doch ebenso und gleich den im Buch beschriebenen Katholiken, konsumiert man weiter das Placebo der „guten alten Zeit“, um doch noch irgendwie „Gewinner“ zu sein.

Zierkes schriftstellerisches Talent steigert sich zusehends, und sein Stilreichtum ist respektabel. War sein letztes Werk noch mystisch und urtümlich, erinnert „Herrengedeck“ stellenweise an Louis-Ferdinand Céline, nur weniger hektisch; insbesondere dann, wenn er, wie Céline, den Dreck und das Schöne verschmelzen lässt, ohne gleichzeitig Plagiat zu sein. Als wohl einziger zeitgenössischer Autor schafft er es, die Resignation, das „Warum?“ all jener aufzuzeigen, denen die Politik nicht mehr die Heimat ist, und dass der Rückzug ins Private, den Suff oder ähnliche Fluchtwege nicht ausschließlich in persönlicher Unzulänglichkeit zu suchen sind, sondern auch ein eklatantes jahrzehntelanges Verschulden von Rechts bis Rechtsaußen ist. Ob man hier von Italien, Frankreich und der Ukraine lernen kann, oder ob man selbst dort, wo die Rechte erfolgreicher und verwurzelter ist, die gleichen Probleme hat, mag jemand beurteilen, der die dortigen Milieus kennt. Bietet das Buch nun die große Lösung oder ist es lediglich eine Aneinanderreihung von Defätismus und ungesundem Individualismus? Nein und nein. Zierke gelingt es, ein starkes Werk zu schaffen, das realitätsnah das Derbe, Dreckige, Zynische mit dem Zarten, Schönen und Erhabenen verwebt. Sei es in der Politik oder in der Achterbahn-Romanze, die einen großen Teil des Buchs einnimmt. Eben weil der Roman keine öde Propagandanummer à la „provinzielle Avengers von Rechts“ ist, sondern das „einfache Leben“ eines Rechten zeigt, dem die hohlen Phrasen und vermeintlichen Erfolge in Gruppenchats, Rechtstwitter und Likesammlung nichts mehr geben, ist „Herrengedeck“ so überraschend aufbauend. Man ist mit seinem Ekel nicht alleine, und trotz alledem bleibt uns, wie dem Protagonisten, noch immer die Liebe und das Leben. Mit Goethe: „Über Gräber vorwärts!“

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Diesen Artikel haben wir am 18.07.2025 in unseren Katalog aufgenommen.

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